Chronik der Feuerwehr Zumikon

Pikett Zumikon 1991
Bereits anfangs der fünfziger Jahre wurde in der Feuerwehr
Zumikon von der Gründung eines Piketts gesprochen. Im Laufe des Jahres 1957 beschaffte
man von der Firma AGA drei Pressluftatmer zum Preis von Fr. 3180.-. Ab 1958 leisteten
sieben Feuerwehrmänner unter der Leitung vom Wachmeister Theophil Hardmeier im
neugebildeten Gastrupp ihren Dienst.
Doch erst am 15. Februar 1960 erfolgte eine Einladung
"Zwecks Orientierung zur Schaffung eines Feuerwehrpiketts". Das neu ins Leben
gerufene Pikett wurde ab 1961 von Lt. Theophil Hardmeier und als Stv. Kpl. Ferdi Hug
geführt. Die Mannschaft setzte sich aus folgenden Feuerwehrmännern zusammen: Heinrich
Kamm, Robert Sieber, Willi Kradolfer, Ruedi Stark, René Tschumi, Karl Benaglio, Werner
Schweizer und Viktor Bosshard. Als Materialwart amtete Werner Häfliger. Im gleichen Jahr
wurde beschlossen, die Alarmierung des Piketts der Zeit anzupassen. Bis jetzt wurden die
Feuerwehrleute durch die Kirchenglocken und Hornbläser alarmiert, welche zuerst vom
Kommandanten oder seinem Stellvertreter telefonisch benachrichtigt werden mussten. Neu
sollte das Pikett durch einen Hasler-Telefonautomaten mit Gruppenaufruf über die Nummer
18 zum Einsatz gerufen werden können. Die Alarmstellen wurden 1961 bei der
Gemeindeverwaltung und im Hotel "zur frohen Aussicht" eingerichtet, nachdem die Verhandlungen
zur Installierung im Sendergebäude mit der Radio-Schweiz A.G. gescheitert waren. Doch
sollte es noch einige Jahren dauern, bis die telefonische Alarmierung zu Aller
Zufriedenheit funktionieren sollte.
Damit das Pikett einen schnellen Einsatz leisten konnte, wurde
bei der Firma Mowag in Kreuzlingen ein Allrad-Feuerwehrfahrzeug mit Doppelkabine zum Preis
von Fr. 52500.- bestellt. Ab 1961 absolvierten elf Pikettleute zwölf Übungen im Jahr zu
einem Sold von Fr. 5.-. Der Einsatz wurde mit Fr. 3.- pro Stunde festgelegt. Am 1. April
1962 wurde das Sonntagspikett eingeführt. Gruppen zu je 3 Mann mussten von nun an
während 10 bis 11 Sonntagen zu Hause telefonisch erreichbar sein und wurden dafür mit
Fr. 10.- pro Sonntag entschädigt.
Erweitert wurde 1962 die Gasschutzausrüstung um ein weiteres
Gerät. Am 22. September 1964 musste laut Protokoll zum erstenmal an einen Autobrand
ausgerückt werden. Der Bau der Forchautostrasse und das ständige Wachstum der Gemeinde
erforderten schon bald die Anschaffung von weiteren Geräten. Zwischen 1964 und 1968
wurden eine Motorspritze, ein Schaumrohr mit 150 kg Schaummittel, Reserveflaschen für die
Gasschutzgeräte, ein Notstromagregat und das erste Oelwehrmaterial angeschafft. Die
Umstellung der Hydranten und Schläuche auf Storzkupplungen erfolgte l965 und war mit
zusätzlichen Übungen verbunden. Laut Protokoll musste das Pikett am 29. April 1965 zum
erstenmal auf die Umfahrungsstrasse ausrücken. Infolge eines Autounfalles lief Oel und
Benzin über die Strasse.
Das Pikett blieb auch von inneren Stürmen nicht verschont. Der
Pikettchef und der Elektrochef wollten im Sinne einer besseren Zusammenarbeit 1965 das
Elektrokorps in das Pikett integrieren. Die Feuerwehrkommission konnte diesem Anliegen
nicht stattgeben, und in der Folge erklärte der Pikettchef den Rücktritt des gesamten
Piketts. Nach einer Aussprache mit dem Kommandanten akzeptierte er aber den Entschluss der
Kommission und annullierte den Rücktritt.
Nach ca. 15jähriger Planung konnte im Herbst 1968 das neue
Feuerwehrgebäude im Mettelacher eingeweiht werden. Nun konnte das gesamte
Feuerwehrmaterial zentral untergebracht werden. Bis dahin war der Mowag in der
Gemeindescheune stationiert und die Löschzüge im ganzen Dorf verteilt. Im gleichen Jahr
wurden auch die Entschädigungen neu festgelegt: Ausrückungssold Fr. 10.- für die erste
Stunde, Fr. 5.- für jede weitere, Übungssold Fr. 6.- und die Entschädigung des
Pikettchefs auf Fr. 300.- pro Jahr. Da in Zumikon immer höhere Häuser gebaut wurden,
musste 1970 eine mechanische Leiter bei der Firma Ehrsam bestellt werden. Der neue
Pikettchef, Ernst Eberhard, erhöhte den Soll-Bestand im Pikett ab 1970 auf 18 Mann. In
der Zwischenzeit wurde durch ständige Materialbeschaffung der Mowag 61 hoffnungslos
überladen. Der Kauf eines weiteren Fahrzeuges der gleichen Marke drängte sich auf,
zugleich auch die Erweiterung des Atemschutzes von 4 auf 8 Geräte.
Ab 1974 hielt auch der Funk Einzug bei der Feuerwehr Zumikon und
wurde in der Folge ständig ausgebaut. Nach wie vor war die telefonische Alarmierung alles
andere als optimal. Von 18 Mann konnten nur 6 direkt alarmiert werden. Erst 1975, mit der
Inbetriebnahme der Telefonzentrale Thesenacher, konnte die gesamte Feuerwehr am
Gruppenalarm angeschlossen werden. Auch die Bedienung der Alarmstelle gab immer wieder zu
Kritik Anlass, und es musste eine andere, sicherere Lösung gesucht werden, welche 1976
mit der Berufsfeuerwehr Zürich gefunden wurde. Optimiert wurde die Alarmierung 1977 durch
die Anschaffung von 6 Funkrufempfängern (Piepser). Dadurch konnte man die Gruppe
Hornbläser auflösen. Auch den Atemschutz erweiterte man um 7 Geräte mit den neuen
Überdruckmasken. Die Pikettübungen wurden auf 12 pro Jahr erhöht.
Mit dem Kauf des Tanklöschfahrzeuges Brändle/Dodge 1979 begann
eine neue Ära im Pikett. Mit dem mitgeführten 1800 Liter Wasser wurde der Ersteinsatz
entscheidend optimiert. In den darauffolgenden Jahren wurde das TLF mit Kettensägen,
Bergungswerkzeugen, Hebekissen und Sanitätsmaterial weiter ausgerüstet.
Mit dem Bau des Forchbahntunnels und des Dorfzentrums kamen neue
Aufgaben auf das Pikett zu. 1981 musste zum ersten Mal zur einer Liftrettung (?)
ausgerückt werden. Für die Rettungseinsätze und die Brandbekämpfung im Forchbahntunnel
wurde von der Gemeinde und der Forchbahn AG zusätzliches Material bewilligt. Der neue
Pikettchef, Heinrich Rieder, setzte die Anzahl Pikettübungen neu auf 14 pro Jahr fest und
den Sollbestand des Piketts auf 25 Feuerwehrleute. Die Bussen wurden von Fr. 5.- auf den
doppelten Übungssold von Fr. 20.- erhöht. Da es immer schwieriger wurde, neue Leute für
das Pikett zu gewinnen, verpflichtete man 1984 das gesamte Kader Sonntagsdienst zu
leisten. Dadurch wurde die Anzahl Sonntagsdienste um die Hälfte auf 6 Sonntage reduziert.
Ausserdem wurde die Alarmierung weiter verbessert. Die Auslösung der Piepser erfolgte nun
automatisch zur gleichen Zeit wie der Telefonalarm. Auch die Entschädigungen wurden
erhöht: Übungssold Fr. 25.-, Ernstfalleinsatz Fr. 25..- pro Stunde,
Pikettchefentschädigung Fr. 1500.-.
Das Budget für das Feuerwehrwesen stieg von Fr. 2500.- (1957)
im Laufe der Jahre auf über Fr. 200'000.- (1987). Mit der Neuorganisation in der Oel- und
Chemiewehr wurden auch wir verpflichtet, uns auf diesem Sektor besser auszurüsten. Das
Pikett tauschte die alte, schwarze Uniform gegen die neue, ungwohnt orange Latzhose und
die Jacke der GVZ. Dass das neue Material keinen Platz auf den drei Fahrzeugen hatte, war
zum vornherein klar: Also beantragte die Feuerwehr der Gemeindeversammlung, ein neues
Pionierfahrzeug Brändle/Steyr mit 12 Tonnen Gesamtgewicht, einem Getriebeautomaten, einer
5-Tonnen-Seilwinde und einem 25kw-Generator zum Preis von Fr. 450'000.-anzuschaffen. An
der Hauptübung 1989 konnte der Lieferant das Fahrzeug dem Pikett übergeben.
In den letzten Jahren wurden wir vermehrt zum Einfangen oder
Vernichten von Bienenschwärmen und Wespennestern gerufen. War es 1978 ein Bienenschwarm,
so rückt die "Bienligruppe" heute bis zu 40 mal pro Jahr aus.
Überhaupt hat die Anzahl und die Art der Einsätze im Vergleich
zum Gründungsjahr sich um ein Vielfaches ausgedehnt . Neben der Insektenbekämpfung wird
das Pikett sehr viel zum Aufsaugen von Wasser, zum Wegräumen von umgestürzten Bäumen,
für Liftrettungen und Katzen von Bäumen herunterholen beansprucht. An eigentliche
Wohnungs- oder Hausbrände müssen wir vielleicht einmal pro Jahr ausrücken. Häufiger
sind Autobrände und Ölunfälle.
Ende 1991 wurde der alte Hasler-Telefonautomat aus dem Jahre
1961 ersetzt durch eine moderne SMT-75 Kleinanlage, mit der auch ein Anschluss an
Regionale Alarmzentrale Oberrieden gewährleistet ist. Durch die Aufhebung der
Feuerwehrpflicht und -steuer musste 1989 der Feuerwehrmann finanziell besser entschädigt
werden. Der Übungssold wurde auf Fr. 60.- und der Ernstfalleinsatz auf Fr. 35.- pro
Stunde erhöht. Die Fixentschädigung des Pikettchefs hob man schon 1989 auf Fr. 3000.-
an. Auch die Pikettoffiziere werden mit Fr. 600.- bis Fr. 1500.- entschädigt.
Viel wichtiger ist, dass die gute Kameradschaft, welche seit
Jahren im Pikett besteht, erhalten bleibt, denn nur so kann immer ein optimaler und
effizienter Einsatz gewährleistet werden.
Auf Ende 1995 wurde das Pikett Zumikon im Zuge der
Reorganisation Feuerwehr 2000 aufgelöst. Seit dem 1. Januar 1996 besteht die Feuerwehr
Zumikon aus zwei Einsatzzügen und einem Spezialistenzug.
Der Kdt Einsatzformation
Hptm. Heiri Rieder


